„BOLONGAROS MUSIKALISCHER SALON“ UND
„MUSIK IM HISTORISCHEN MUSEUM“
KAMMERKONZERTE MIT LÄNGST VERKLUNGENER MUSIK
Prächtige Tasteninstrumente des 17. und 18. Jahrhunderts aus einer privaten Sammlung, genügend Programmideen und zwei schöne Orte: Der Bolongaropalast in Frankfurt-Höchst und das Historische Museum Frankfurt, die nach Gästen verlangen - schon war die Idee einer neuen Konzertreihe geboren.
Hier begegnet man vergangenen Zeiten, interessante musikalische Schätze der Region um Mainz und Frankfurt erklingen wieder.
Mit freundlicher Unterstützung der „Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen“.
UNSERE NÄCHSTEN KONZERTE:
Sonntag, 19. Februar 2012, 19.00 Uhr
Kapellensaal des Bolongaropalasts
„Die Dalbergs geben sich die Ehre“
Vokalwerke und Klavierwerke zu zwei, vier und fünf Händen von Friedrich von Dalberg
Jan Kobow, Gesang und „fünfte Hand“
Angela Koppenwallner, Fortepiano
Michael Günther, Fortepiano
Friedrich von Dalberg, einer einflussreichen und kunstsinnigen Familie entstammend und mit Mainz bzw. Aschaffenburg besonders verbunden, war als Komponist und Musikschriftsteller einer der genialsten und originellsten Köpfe des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Im Musikleben ist er selbst in seiner Heimat viel zu wenig beachtet.
Eine Zeichnung von Wilhelm Kobell aus dem Jahr 1787 könnte die drei Dalberg-Brüder, wohlweißlich am bzw. um ein Klavier versammelt, darstellen. Für die Dalbergs war Kunst und speziell Musik nicht eine nebensächliche, oberflächliche Unterhaltung, gerade einmal geeignet zur standesgemäßen Repräsentation, sondern selbstverständlicher und notwendiger Bestandteil ihres Lebens. Kunst und Wissenschaften wurden aber nicht nur gefördert, sondern auch von ihnen selbst betrieben.
Der jüngste Bruder Friedrich von Dalberg (1760-1812), der sich selbst gerne Fritz Dalberg nannte, kann zu den originellsten Komponisten, Musikschriftstellern und Pianisten des späten 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts gezählt werden. Es ist ein großes Rätsel, warum dieser im modernen Konzertleben so wenig beachtet wird, vielleicht weil er nie auf die Publikumsgunst schielte? Seine Originalität und Phantasie zeigen sich besonders in seinen Liedern und in seinen Klavierwerken zu zwei, vier, und man höre und staune, zu fünf Händen. Mit den bedeutendsten Dichtern, so Goethe, Schiller, Wieland und Herder stand er im Austausch, und nicht jeder Komponist wählte mit so sicherem Gespür Gedichte zur Vertonung zu Liedern, in denen sich oft ein Schuss Selbstironie findet und die persönliche Verbindungen zum Freundeskreis um Mozart verraten.
Eine weitere interessante Seite Dalbergs offenbaren seine Klavierkompositionen. Neben brillanten Sonaten zu zwei und vier Händen befindet sich eine Sonate „zu fünf Händen“ darunter. Das bedeutet, dass drei Spieler an einer gerade einmal 85 cm breiten Klaviatur sitzen, wobei „Primo“ und „Secondo“ in gewohnter Weise vierhändig spielen und dazu noch zur Rechten ein weiterer Spieler nur mit einer Hand die höchste Stimme spielt. Dieses Spektakel wird wohl auch im Hause Dalberg der reine Spaß gewesen sein.
Aus der Sammlung von Schloss Homburg sind zahlreiche Musikalien in der Ausstellung zu sehen, und selbstverständlich erklingen die Klavierkompositionen auf zwei der schönsten originalen Tasteninstrumente der Dalberg-Zeit aus dieser bedeutenden Sammlung, um die Musik im leichteren, transparenten Klangbild jener Zeit entstehen zu lassen.
Sonntag, 11. März 2012, 19.00 Uhr
Kapellensaal des Bolongaropalasts
„Pieces de Clavecin en Concert“
Brillante Kammermusik von Jean Philippe Rameau
LA GAMBA, FREIBURG
Ricardo Magnus, Cembalo
Franca Polowski, Violine
Ekkehard Weber, Viola da gamba
Eine neue, extreme Form von Kammermusik steuerte Jean-Philippe Rameau mit seinen „Pieces de Clavecin en Concert“ bei, die 1741 in Paris veröffentlicht wurden: Zur Violine und Viola da Gamba tritt das von Rameau so geschätzte Cembalo hinzu, aber nicht wie bisher als begleitendes Continuo-Instrument, sondern als dominierendes Soloinstrument. Im Vorwort bemerkt er gar: „Diese Stücke können, ohne dass etwas zu wünschen übrig bliebe, auf dem Cembalo allein gespielt werden; man vermutet dabei nicht einmal, dass sie für eine andere Zusammenstellung geeignet sind“. Ihren unvergleichlichen Charme entwickeln diese Stücke unserer Meinung nach erst durch eben diese dezente Streicherbegleitung im Hintergrund.
Charme, Raffinesse und Esprit jener Zeit spiegeln sich unvergleichlich darin, und einen weiteren Beitrag zur Gattung Kammermusik hat Rameau nicht geleistet; offenbar war mit dieser neuartigen Klangstruktur für ihn das Wesentliche abschließend gesagt.
Etliche Sätze tragen Titel, die auf bestimmte Zeitgenossen, darunter den reichen Steuerpächter und Musikenthusiasten Lapopliniére, den ebenso reichen Bankier Laborde sowie auf die Komponistenkollegen Forqueray und Marais oder auf die gerühmte Cembalistin Boucon und den Violinisten Cupis verweisen. Kurze Erläuterungen zu diesen überaus illustren Personen wollen in diese schillernde Zeit einführen.
Samstag, 5. Mai 2012, 20.00 Uhr
Historisches Museum Frankfurt
„Musik am Hof der Schönborns in Würzburg“
Zauberhafte Cantaten und Instrumentalmusik von Giovanni Benedetto Platti, Fortunato Chelleri, Georg Philipp Telemann u.a.
Julla von Landsberg, Sopran
Jan Kobow, Tenor
„Ariadne musica“ - ein Ensemble mit zwei Violinen, Viola und Violoncello
Michael Günther, Pantalon und Cembalo
Frohmut Dangel-Hofmann, Einführung
Von der Kunstliebe am Hof der weltoffenen Fürstbischöfe aus dem Haus Schönborn bzw. des Fürstbischofs Greiffenclau zeugt nicht nur das Deckengemälde Giovanni Battista Tiepolos in der Würzburger Residenz, das auch ein Musikerensemble zeigt. Auch aus dem erhaltenen Repertoire der dort entstandenen Musik lässt sich höchste Qualität und eine Offenheit für neue Klangwelten ablesen. Es dürfte kein Zufall sein, dass Giovanni Benedetto Platti, der in Siena das von Bartolomeo Cristofori gerade neu erfundene Hammerklavier kennen gelernt hatte, mit diesem Wissen nach Würzburg kam. So findet in diesem Konzert erstmalig für die „Clavier“-Partie das in Franken eben aufkommende „Pantalon“, eine Frühform des Hammerklaviers Verwendung, eine Premiere mit ungeahntem Klangreiz!
Das Konzert beinhaltet auch ähnliche Werke des in Frankfurt tätigen Georg Philipp Telemann, der 1712 zum „Städtischen Musikdirektor“ ernannt wurde, und der dieser Stadt auch nach seiner Anstellung in Hamburg 1721 noch viele Jahrzehnte verbunden blieb.
Frohmut Dangel-Hofmann, eine hervorragende Kennerin des Werks Plattis und der Schönborn'schen Musikalienbibliothek in Wiesentheid wird in das Thema einführen.
Samstag, 16. Juni 2012, 20.00 Uhr
Historisches Museum Frankfurt
„Dort droben auf jenem Berge - tief unten im einsamen Thale“
Lieder, Duette, Terzette sowie Klavierwerke in Würzburg um 1800 von Johann Franz Xaver Sterkel und Vincenzo Righini
Julla von Landsberg, Sopran
Jan Kobow, Tenor
Peter Kooij, Bass/Bariton
Michael Günther, Fortepiano
Bernhard Janz, Einführung
So könnte man sich einen Konzertabend in der hiesigen Region um den Main um das Jahr 1800 vorstellen. Der Würzburger Komponist und Pianist Johann Franz Xaver Sterkel (1750-1817) war weit bekannt und geschätzt, so dass ein Musikkritiker in Sterkels Nachruf im Jahr 1817 fragen konnte: „Wer kennt den gesangreichen Componisten nicht?“ Heute ist er selbst in seiner Heimat nahezu vergessen. Vollkommen zu Unrecht! Ähnliches gilt für Vincenzo Righini (1756-1812), der im Mainzer Musikleben eine gewichtige Rolle spielte.
Diese Komponisten verfügten über hervorragende Kenntnisse der gerade aufblühenden Poesie in deutscher Sprache und über gute Kontakte zu den bedeutendsten Literaten, deren Gedichte ihren Liedern zu Grunde liegen, so zu Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder, Friedrich von Matthisson, Friedrich Schiller und anderen.
Es konnten besondere, international renommierte Sänger und Sängerinnen gewonnen werden. Zur Begleitung finden zwei außergewöhnliche, originale Hammerklaviere jener Zeit aus der Sammlung von Schloss Homburg am Main Verwendung.
Bernhard Janz (Musikwissenschaftliches Seminar der Universität Würzburg) wird in das Thema einführen.
Samstag, 22. September 2012, 20.00 Uhr
Historisches Museum Frankfurt
„Seien Sie mir ewig gut!“
Lieder, Klavierwerke und Klavierkammermusik von Joseph Martin Kraus
Jan Kobow, Tenor
Gerhart Darmstadt, Violoncello
Michael Günther, Fortepiano
Gerhart Darmstadt, Einführung
Der in Miltenberg geborene und spätere königlich schwedische Kapellmeister Joseph Martin Kraus (1756-1792) wurde immer wieder mit Wolfgang Amadé Mozart verglichen, wozu die ähnlichen Lebensdaten und auch die Lust zum pointierten Briefeschreiben verleiten. Tatsächlich ist er einer der originellsten und unabhängigsten Musiker des 18. Jahrhunderts. Er verfügte über hervorragende Kenntnisse der gerade aufblühenden Poesie in deutscher Sprache, pflegte Kontakt zu Matthias Claudius und verfasste selbst Lyrik, die er zu Liedern verarbeitete.
Zur Begleitung finden zwei besondere, originale Hammerklaviere des 18. Jahrhunderts aus der Sammlung von Schloss Homburg Verwendung.
Gerhart Darmstadt, Präsident der „Internationalen Joseph Martin Kraus Gesellschaf“ wird mit dem Komponisten vertraut machen.
Samstag, 20. Oktober 2012, 20.00 Uhr
Historisches Museum Frankfurt
„Dort droben auf jenem Berge - tief unten im einsamen Thale“
Lieder, Klavierkammermusik in Frankfurt um 1800 von Johann Franz Xaver Sterkel und Resonanzen aus Wien
Julla von Landsberg, Sopran
„Ariadne musica“ - ein Ensemble mit Violine und Violoncello
Michael Günther, Fortepiano
Bernhard Janz, Einführung
So könnte man sich einen Konzertabend in der hiesigen Region um den Main um das Jahr 1800 vorstellen. Johann Franz Xaver Sterkel (1750-1817) war nicht nur in Würzburg, seiner Geburtsstadt, in Mainz, wo er im Dienst der Kurfürsten Erthal und Dalberg stand und als großherzoglicher Musikdirektor in Frankfurt ein gefeierter Komponist und Pianist, zu dem selbst der junge Beethoven pilgerte. In Wien wurden seine Werke ebenfalls sehr gut aufgenommen, und der bei Kennern hoch angesehene Komponist Nikolaus von Krufft schrieb Variationswerke über verschiedene Lieder Sterkels.
Zur Begleitung finden zwei besondere, originale Hammerklaviere des 18. Jahrhunderts aus der Sammlung von Schloss Homburg Verwendung.
Bernhard Janz (Musikwissenschaftliches Seminar der Universität Würzburg) wird in das Thema einführen.
Samstag, 24. November 2012, 20.00 Uhr
Historisches Museum Frankfurt
„Winterreise“
24 Lieder von Franz Schubert nach Gedichten von Wilhelm Müller
Jan Kobow, Tenor
Michael Günther, Fortepiano
Christoph Schwandt, Einführung
Jan Kobow singt die 24 Lieder, die erst von der Nachwelt mit veränderten Tonarten in einem großen Zyklus zusammengefasst wurden, so, wie Franz Schubert sie ursprünglich gedacht und komponiert hatte: In zwei Abteilungen und in den originalen Tonarten des Schubert'schen Manuskripts.
Das authentische Klangbild wird dadurch vervollständigt, dass Michael Günther den Sänger auf einem exzellenten Hammerflügel von Theodor Christoph Haug, Stuttgart 1815, begleitet, wie er zur Entstehungszeit der „Winterreise“ verwendet wurde, und dessen klangliche Möglichkeiten der Komponist „im Ohr hatte“.
Christoph Schwandt gibt Erläuterungen zu Werk und Wiedergabe.
Die Abbildung: Caspar David Friedrich, Hünengrab im Schnee (1807)
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