TASTENINSTRUMENTE DER SAMMLUNG MICHAEL GÜNTHER
Die Sammlung historischer Tasteninstrumente befindet sich in vier Räumen im renovierten Schloss Homburg am Main und bewahrt etwa 20 Tasteninstrumente, die ausnahmslos wegen ihrer musikgeschichtlichen Bedeutung, ihres Erhaltungszustands und ihrer Provenienzen als exquisit bezeichnet werden können.
Es handelt sich um Cembali, Hammerflügel und Tafelklaviere des 17. bis frühen 19. Jahrhunderts überwiegend aus Süddeutschland, sowie aus London und Paris und Norditalien.
Diese Instrumente wurden gewissenhaft restauriert bzw. konserviert und sind zum großen Teil spielbar. Sie werden u.a. in den Konzerten in Schloss Homburg verwendet.
Die Instrumente, die Provenienzen derselben und die Biographien der Instrumentenbauer werden erforscht, um weitere Kenntnisse über das Musikleben des 17. und 18. Jahrhunderts in Süddeutschland und Franken zu gewinnen.
Ein aktueller Katalog zur Sammlung historischer Tasteninstrumente ist in Vorbereitung. Publikationen über einzelne Instrumente finden sich in der Fachliteratur.
Die Sammlung bzw. Teile derselben waren in bedeutenden Ausstellungen zu sehen und zu hören: Im Mainfränkischen Museum Würzburg (“... meine angenehmste Unterhaltung - Musikinstrumente aus fränkischen Sammlungen”), im Konservatorium Wien (“Das muß doch gewiss das Klavierland sein”), in der Frankfurter Bürgerstiftung Holzhausenschlößchen (“Drei Generationen Mozart in Frankfurt”) und in Lausanne (“Rencontres Internationales Harmoniques”).
Die Sammlung kann nach Absprache sowie in den Pausen der Konzerte besichtigt werden.
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CEMBALO
Giacomo Ridolfi zugeschrieben
vermutlich Florenz oder Rom, um 1665
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 2
Einmanualiges, dünnwandiges Instrument in äußerem Kasten
Umfang: G1 - c3 (ohne Gis1)
Besaitung: 2 Chöre im Achtfußregister
Die Signatur auf der Rückseite des Vorsatzbretts ist nicht mehr lesbar. Eine Zuschreibung an Giacomo Ridolfi ist wegen der Übereinstimmung der Profilleisten mit seinen signierten Instrumenten mit großer Sicherheit möglich.
Mehrere Reparaturen und Umbauten, so eine Reparatur möglicherweise durch Bartolomeo Cristofori, eine Umfangserweiterung durch Nicomede Agati, Pistoia 1826, sowie Neudekorationen des Aufbewahrungskastens zeigen, dass das Instrument zu allen Zeiten gespielt wurde. Am Anfang des 20. Jahrhunderts befand es sich in der berühmten Sammlung von Marcel Salomon in St Germain en Laye bzw. in Paris. Die späteren Umbauten des Instruments wurden wieder rückgängig gemacht, so dass das Instrument sich nun wieder in seiner ursprünglichen Disposition befindet.
Die Bemalung der Seitenwände des Aufbewahrungskastens mit Blumen auf hellem Grund erfolgte Mitte des 18. Jahrhunderts, das Stilleben auf der Innenseite des Deckels stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Von Giacomo Ridolfi sind vier signierte Cembali erhalten, die auch datiert sind, aber nur die Jahreszahlen 1662 und 1665 sind zweifelsfrei. Drei weitere Cembali können ihm zugeschrieben werden. Bei zwei Signaturen weist Ridolfi mit berechtigtem Stolz darauf hin, dass er Schüler von Girolamo Zenti ist, der zu den bedeutendsten Cembalobauern aller Zeiten zu zählen ist. Das prächtige Instrument widerlegt die Meinung, dass Cembali allgemein im 19. Jahrhundert keine Rolle mehr spielten, und zeigt, dass auch in jener Zeit kunstverständige Familien und Restauratoren sich gewissenhaft den Musikinstrumenten vergangener Zeiten widmeten.
Für weitere Informationen, Photographien und ein Klangbeispiel auf der Seite des “BERCEAU ROYAL” klicken Sie: HIER
HAMMERFLÜGEL
Ferdinand Hofmann zugeschrieben
Wien, um 1785-1795
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 1
Umfang: F1 - g3
Besaitung: F1 - gis1 zweisaitig, a1 - g3 dreisaitig
2 Kniehebel: links Aufhebung der Dämpfung, rechts „piano“ (Moderator); Fagottzug
Prellzungenmechanik („Wiener Mechanik“)
Die Signatur des Hammerflügels ist verloren. Eine ziemlich sichere Zuschreibung ist dennoch an Ferdinand Hofmann durch die Übereinstimmung instrumentenbaulicher Charakteristika mit seinen signierten Instrumenten möglich.
Eine Datierung wird man innerhalb der Spanne von 1785-1795 je nach Gewichtung der Argumente eher früher oder eher später vornehmen: Bei stärkerer Gewichtung des nur kurzeitig benutzten Fängertyps und der nicht furnierten Rückwand eher am Anfang, oder bei stärkerer Gewichtung des Klaviaturumfangs bis g3 und der Saitenlängen eher am Ende dieser Spanne.
Ferdinand Hofmann, „Bürgerl. Orgel- und Instrumentmacher in Wien“, wurde im Jahr 1756 ebendort geboren. Über seine Lehrmeister lassen sich keine zuverlässigen Angaben machen, möglicherweise war er bei Johann Michael Panzer und ziemlich sicher Geselle bei Johann Gottfried Mallek. Hofmann wurde im Oktober 1784 Bürger in Wien, 1808 Vorsteher der bürgerlichen Orgel- und Klaviermacher und im Mai 1812 wurde ihm der Hoftitel „k. k. Hofkammerklaviermacher“ verliehen.
Er folgte der Bauart Johann Andreas Steins, wie an der Art der Auslösung und des Klaviaturschlittens zu erkennen ist. Bei seinem frühesten Hammerflügel verwendete er noch Holzkapseln, um danach ausschließlich Messinggabeln zu verwenden. Er fertigte in seiner Werkstatt mit acht Gesellen wöchentlich ein Fortepiano.
Hofmann zählt zu den frühesten und bedeutendsten Klavierbauern in Wien, die den ungeheuren Aufschwung des Fortepianos und die Bedeutung Wiens als Klavierbauzentrum maßgeblich begründeten.
HAMMERFLÜGEL
Theodor Christoph Haug
Stuttgart 1815
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 13
Umfang: F1 – f4
F1 – gis2 zweisaitig, a2 – f4 dreisaitig;
3 Kniehebel: Links: Aufhebung der Dämpfung / Mitte: Pianissimo („Coelestin“) / Rechts: „Piano“ (Moderator)
Prellzungenmechanik („Wiener Mechanik“)
Zweifache Signatur:
Gedruckte Papiervignette auf dem Resonanzboden:
„T. C. Haug Hof-Instrumentenmacher in Stuttgard“
Handschriftlich auf dem Unterboden hinter dem Damm, sichtbar nur mit Spiegel durch das Dammfenster:
„Haug Stuttgard 1815“
Das Instrument ist im ausgereiften, klassizistischen Stil ohne Zierrat gefertigt. Das Dekor besteht aus der Textur des Nussbaumfurniers der glatten Flächen. Das senkrecht laufende Furnier ist geklappt und gespiegelt und läuft mit einem Rapport über das gesamte Instrument. Dazu bildet im Klaviaturbereich das mit schwarzen Adern durchsetzte Nussbaummaserholz und die mit Ebenholz belegte Klaviatur einen Kontrast.
Auch das Klangideal verzichtet auf vordergründige Effekte und vertraut ganz allein auf einen perfekt ausbalancierten, edlen Klang, der auf feine Nuancen im Anschlag reagiert und neben der Aufhebung der Dämpfung mit zwei Kniehebeln moderiert werden kann.
Theodor Christoph Haug wurde 1771 geboren. Er erlernte sein Handwerk bei seinem in Stuttgart und Ludwigsburg wirkenden Vater Johann Friedrich Haug, der ab 1758 in den Staatskalendern als „Hofinstrumentenmacher“ erwähnt wird und der viele Instrumente für den musikliebenden Herzog Karl Eugen lieferte. Seine Vervollkommnung erhielt Theodor Christoph Haug bei Johann Andreas Stein in Augsburg, dessen Bauart und Idealen er folgte. 1793 übernahm er die väterliche Werkstatt. Er starb im Jahr 1847.
Er erbaute nur wenige Instrumente, die zu höchsten Preisen verkauft wurden.
Vor seinem Verkauf befand sich das Instrument in Schloss Birkenfeld in Maroldsweisach bei einer adeligen Familie, zu der es durch Heirat und Erbfolge einer in Stuttgart geborenen Adeligen im Jahr 1841 kam.
TAFELKLAVIER
Joseph Anton Boos zugeschrieben
Mainz, um 1767
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a. M., Inv. Nr. 6
Umfang: F1 - f3
Besaitung: Durchgehend zweisaitig
3 Züge
Keine Dämpfung
Prellmechanik mit Prelleiste ohne Auslösung
Das unsignierte Instrument kann sicher an Joseph Anton Boos wegen der Übereinstimmung der Profilleisten mit seinem signierten, im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg erhaltenen Instrument von 1767 zugeschrieben werden.
Bei einem Umbau im Jahr 1838 durch Adalbert Laucher wurde eine neue Mechanik eingebaut und das Instrument stärker besaitet. Die ursprüngliche Mechanik wurde später wiederhergestellt.
Das Instrument ist äußerst aufwendig und mit feinstem Geschmack dekoriert. Die Marketerie verwendet folgende Holzarten: Nussbaum, Ahorn, Pflaume, Padouk, Rosenholz, Nussbaummaser und Ahorn, grün und graubraun gefärbt. Das Instrument, das zu den am kunstvollsten und aufwendigsten dekorierten Tafelklavieren des 18. Jahrhunderts zählt, konnte nur von einem vermögenden und der Möbelkunst verfallenen Liebhaber derartiger Instrumente erworben worden sein.
Der im Jahr 1727 in Koblenz geborene Joseph Anton Boos war Orgelmacher wie sein Vater und Bruder. Ende der Dreißiger Jahre kam er nach Mainz, wo er später auch als Organist tätig war. Im Jahr 1794 begab er sich nach Bamberg, wo er im Jahr 1804 starb. Boos baute auch Flötenwerke und Flötenuhren. Eine mögliche Verbindung zur Werkstatt der Roentgens in Neuwied ist noch zu erforschen.
TAFELKLAVIER
Johann Andreas Mahr oder Johann Gottfried Mahr zugeschrieben
Wiesbaden, um 1770
Eventuell Leipzig, um 1720
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 5
Umfang: F1 - f3
Besaitung: F1 - H1 einsaitig, ab C durchgehend zweisaitig
3 Züge (Laute, Harfe, Dämpfung)
Prellmechanik mit Einzeldämpfung
Das Tafelklavier hat keine Signatur. Eine Zuschreibung ist dennoch an Johann Andreas Mahr oder seinen Sohn Johann Gottfried Mahr möglich, da die spezielle Mechanik ausschließlich bei deren signierten Tafelklavieren vorkommt.
Eine dendrochronologische Untersuchung ergab überraschenderweise, dass das Holz des Resonanzbodens verblüffende Ähnlichkeit mit dem Holz einer Theorbe des Leipziger „Instrument- und Lautenmachers“ Johann Christian Hoffmann zeigt, als wären beide Instrumente aus dem gleichen Baum gefertigt. Dies ist ein Hinweis, dass das Instrument schon früher und im allernächsten Umkreis Johann Sebastian Bachs, eines Freunds Hoffmanns gefertigt worden sein könnte. Die Forschungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen.
Die Dekoration des Instruments sah eine Aufwertung des verwendeten einheimischen Holzes vor, mit dem Ziel, exotische Hölzer vorzutäuschen. Hierzu wurde auf die sichtbaren Flächen der Farbstoff Drachenblut, ein rot färbendes Harz, als lasierende Farb- und Lackfassung aufgetragen.
Der Ton dieses Tafelklaviers ist sehr zart und orientierte sich noch am Clavichord, dessen dynamische Fähigkeiten mit stärkerem Ton und einigen „Veränderungen“ angestrebt wurden.
Der 1722 in Eppstein geborene Johann Andreas Mahr (sen.) war Schüler seines Vaters Anton Mahr und kam als Geselle nach Frankfurt. Mitte der 50er Jahre des 18. Jahrhunderts begann seine Tätigkeit in Wiesbaden. Im Jahr 1766 erhielt er die Aufsicht über die Orgeln im Oberamt Idstein. Er führte den Titel eines „Hoff-Mechanicus“ in Wiesbaden und starb 1788 ebendort.
TAFELKLAVIER
“PANTALON”
Georg Ludwig Krämer mit großer Wahrscheinlichkeit zugeschrieben
Bamberg, um 1770
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 16
Umfang: C - f3
Besaitung: durchgehend zweisaitig
2 (?) Züge (Laute, Harfe); nachträglich Dämpfung
Stoßmechanik ohne Auslösung
Das Tafelklavier hat keine Signatur. Eine Zuschreibung ist dennoch an Georg Ludwig Krämer möglich, da die spezielle Stoßmechanik ausschließlich bei seinen Tafelklavieren vorkommt und die Profilleisten mit denen seiner signierten Tafelklaviere übereinstimmen. Zudem befindet sich der ursprüngliche Standort des Instruments unweit der Werkstatt Krämers.
Die wenigen erhaltenen Hammerklaviere Krämers zeigen in vielen Bereichen höchst originelle Details und Erfindungen.
Um 1830 wurde eine Einzeltondämpfung eingebaut, was beweist, dass das Instrument noch gespielt wurde.
Der in seiner Bedeutung und Originalität unterschätzte Georg Ludwig Krämer wurde 1730 im Württembergischen Neuenhaus geboren und entwickelte derartige Hammerklaviere 1761 in Nürnberg. Im Jahr 1764 wurde er vom Bamberger Füstbischof zum dortigen “Hoforgel- und Instrumentenbaumeister” berufen, vermutlich auch wegen seiner innovativen Kenntnisse im Hammerklavierbau.
In verschiedenen Beiträgen hat Michael Günther gezeigt, dass Krämer als der geistige Stammvater des englischen “square piano”-Baus gelten kann. Diese “square pianos” galten bisher als englische Erfindung, was allerdings nicht länger haltbar ist. Johann Christoph Zumpe führte nach einem Besuch seiner Verwandten in Fürth diesen Instrumententyp Krämers, den er in Nürnberg kennengelernt haben dürfte, nach London ein, und löste um 1768 eine ungeahnte Begeisterung für das “square piano” aus, das nun in großen Stückzahlen im Prinzip ähnlich hergestellt wurde.
Das Instrument stammt aus dem Wasserschloss Weißdorf im Fichtelgebirge.
TAFELKLAVIER IN FORM EINER LIEGENDEN HARFE
“CYMBAL=CLAVIER”
Johann Matthäus Schmahl mit Vorbehalt zugeschrieben
Ulm, um 1770
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 3
Umfang: C - f3
Besaitung: Durchgehend einsaitig
3 Züge (Laute, Cymbal, Harfe)
2 Kniehebel für Laute und Harfe
Stoßmechanik ohne Einzeltondämpfung
Das Instrument ist nicht signiert, kann aber mit Vorbehalt der Werkstatt des Ulmer Orgel- und Instrumentenmachers Johann Matthäus Schmahl zugeschrieben werden.
Der Ulmer Orgel- und Instrumentenmacher Johann Matthäus Schmahl entstammt einer weitverzweigten Orgel- und Instrumentenmacherfamilie. Er wurde 1734 in Ulm als zweiter Sohn des Orgel- und Instrumentenmachers Georg Friedrich Schmahl geboren und lernte bei ihm sein Handwerk. Er wandte sich hauptsächlich dem „Fortepiano“-Bau zu. Er starb 1793 in Ulm und sein Bruder Georg Friedrich führte das Geschäft weiter.
Das Instrument wurde 1960 in Wasserburg am Bodensee entdeckt, wo es sich seit längerer Zeit zuvor befand.
Die ursprünglich sicher vorhandene Harfenplatte wurde in späterer Zeit durch eine Leistendämpfung ersetzt. Danach wurde das Instrument zu einem Tischinstrument ohne Beine verändert. Es gibt Anhaltspunkte, dass die Außenseiten des Instruments ursprünglich farbig gefasst waren, was mit dem Nussbaumholz des Klaviaturraums einen reizvollen Kontrast ergab. Diese Fassung ist verloren und das Instrument erhielt eine Wachspolitur. Ergänzungen des ansonsten gut erhaltenen Instruments sind die Harfenplatte und vier Beine mit dazugehörigen Befestigungsklötzchen als getreue Kopien eines Vergleichsinstruments gleicher Bauart.
TAFELKLAVIER IN FORM EINER LIEGENDEN HARFE
Johann Matthäus Schmahl mit Vorbehalt zugeschrieben
Ulm, um 1770 - 1780
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 4
Umfang: F1 - g3
Besaitung: Durchgehend einsaitig
5 Züge (Spinett/Cymbal, Pantalon/Laute, Harfe, Oboe) und Transposition
Stoßmechanik mit Einzeltondämpfung
Das Instrument ist nicht signiert, kann aber mit Vorbehalt der Werkstatt des Ulmer Orgel- und Instrumentenmachers Johann Matthäus Schmahl zugeschrieben werden.
Der Ulmer Orgel- und Instrumentenmacher Johann Matthäus Schmahl entstammt einer weit verzweigten Orgel- und Instrumentenmacherfamilie. Er wurde 1734 in Ulm als zweiter Sohn des Orgel- und Instrumentenmachers Georg Friedrich Schmahl geboren und lernte bei ihm sein Handwerk. Er wandte sich hauptsächlich dem „Fortepiano“-Bau zu. Er starb 1793 in Ulm und sein Bruder Georg Friedrich führte das Geschäft weiter.
Das Instrument hat eine überaus bedeutende Provenienz. Es war ursprünglich im engsten Freundeskreis der Familie Mozart in München, der Familie von Morawitzky, d.h. Heinrich Theodor Graf von Morawitzky (1735-1810) und seiner Schwester Maria Therese (1751-1826), die mit Johann Kaspar Graf von La Rosée verheiratet war. Wolfgang Amadeus Mozart sagte in einem Brief vom 27. September 1780 an seinen Vater von ihr: „das ist wohl eine liebenswürdige Dame! Und unsere sehr gute freündin“. Insbesondere bei seinem längeren Münchner Aufenthalt im Zusammenhang mit der Komposition und Aufführung seiner Oper „Idomeneo“ im Jahr 1780/81 lassen sich intensive Kontakte mit häufigen Besuchen nachweisen.
Unabhängig von seiner Provenienz handelt es sich um ein köstliches, zauberhaft klingendes Instrument eines sehr originellen und sorgfältig arbeitenden Instrumentenmachers. Es besticht durch seine vordergründige Schlichtheit, hinter der sich im besten „understatement“ ein durchdachtes, kleines Wunderwerk verbirgt.
TAFELKLAVIER IN FORM EINER LIEGENDEN HARFE
Johann Matthäus Schmahl mit Vorbehalt zugeschrieben
Ulm, um 1770 - 1780
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M.,Inv. Nr. 14
Umfang: F1 - g3
Besaitung: Durchgehend einsaitig
5 Züge (Spinett/Cymbal, Pantalon/Laute, Harfe, Oboe und Transposition)
Stoßmechanik mit Einzeltondämpfung
Das Instrument ist nicht signiert, kann aber mit Vorbehalt der Werkstatt des Ulmer Orgel- und Instrumentenmachers Johann Matthäus Schmahl zugeschrieben werden.
Der Ulmer Orgel- und Instrumentenmacher Johann Matthäus Schmahl entstammt einer weitverzweigten Orgel- und Instrumentenmacherfamilie. Er wurde 1734 in Ulm als zweiter Sohn des Orgel- und Instrumentenmachers Georg Friedrich Schmahl geboren und lernte bei ihm sein Handwerk. Er wandte sich hauptsächlich dem „Fortepiano“-Bau zu. Er starb 1793 in Ulm und sein Bruder Georg Friedrich führte das Geschäft weiter.
Es handelt es sich um ein köstliches, zauberhaft klingendes Instrument eines sehr originellen und sorgfältig arbeitenden Instrumentenmachers. Es besticht durch seine vordergründige Schlichtheit, hinter der sich im besten „understatement“ ein durchdachtes, kleines Wunderwerk verbirgt.
Das Instrument ist exzellent erhalten. Das Gestell könnte zu späterer Zeit ergänzt worden sein. Im 20. Jahrhundert wurde das Instrument aufpoliert.
TAFELKLAVIER
“PANTALON”
[anonym, vielleicht Johann Nicolas Deckert, Großbreitenbach]
Vermutlich Thüringen (Schwarzburg-Rudolstadt), um 1770
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 15
Umfang: F1 - f3
Besaitung: durchgehend zweisaitig
3 Züge (Harfe, geteilt in Bass und Diskant; Laute)
Prellmechanik
Das Tafelklavier hat keine Signatur, allerdings fand sich ein Zettel mit handschriftlichem Text: “George Nicolas Schoeler / Döschniz. 1794”. Dieser war Olitatenhändler, somit handelt es sich sicher um einen Besitzervermerk.
Eine Maßanalyse durch Hubert Henkel weist auf Grund des Zollmaßes auf eine Herstellung im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt hin, was auch mit dem Besitzervermerk korrespondiert.
Der Korpus des Instruments ist aus Eiche, die handwerkliche Arbeit, z.B. die Zinkung und die Pefektion der Klaviatur und des Stegs sprechen für einen hervorragenden Instrumentenmacher. Die Dekoration benutzt ein eingelegtes Band aus Zwetschgenholz, das das gesamte Instrument umläuft und sich auch im Innern findet, und das das makellose Eichenholz in schönen Proportionen ziert.
Das Instrument hatte zu keinem Zeitpunkt eine Dämpfung. Dies ist ein weiterer Beleg, dass ein kostbares Instrument durchaus ohne Dämpfung auskam.
TAFELKLAVIER
Fredericus Beck (Friedrich A. Becker)
London, ca. 1770
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 8
Umfang: F1/G1 - f3 (ohne Gis)
Besaitung: Durchgehend zweisaitig
2 Züge: Dämpfung geteilt für Baß und Diskant
Stoßmechanik („English single action“)
Das Instrument besitzt auf dem Vorsatzbrett eine nur mehr teilweise lesbare Signatur in Tusche:
„...[?] Fredericus Beck Londini Fecit [...] ... Soho“
Die Jahreszahl ist nicht mehr zu entziffern, das Instrument kann aber durch bauliche Details um 1770 datiert werden. Es zählt somit zu den frühesten in England gebauten erhaltenen Tafelklavieren.
Ab dem Jahr 1766 wurden in London überwiegend von einigen aus Deutschland eingewanderten Instrumentenmachern Tafelklaviere gebaut. Sie folgten einem ähnlichen Modell, das möglicherweise auf die zuerst von Johann Christoph Zumpe gebauten Tafelklaviere zurückgeht, mit einer einfachen Stoßmechanik und Gehäusen aus massivem Mahagoni bzw. mit Furnieren dieser Holzart.
Die rationelle Herstellung in kleinen Serien erlaubte es, dass derartige Instrumente für weite bürgerliche Bevölkerungskreise erschwinglich wurden. Damit wurde das Tafelklavier zum wichtigsten Hausmusikinstrument.
Friedrich A. Becker wurde 1738 in Württemberg geboren und kam kurz nach 1756 nach England. Seine Werkstatt befand sich in der Broad Street in London. Schon in den Achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurde er in den zeitgenössischen Lexika als „berühmt“ bezeichnet und zu den besten Instrumentenmachern gezählt. Auch in Frankreich waren seine Instrumente offensichtlich sehr beliebt. Dies beweist ein Inventar der bei der französischen Revolution aus Adelsbesitz konfiszierten Cembali und „Fortepianos“. Becker starb um das Jahr 1798 in London.
TAFELKLAVIER
Jacob Pfister
Würzburg, um 1800
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 11
Umfang: F1 - f4
Besaitung: F1 - C einsaitig, ab Cis durchgehend zweisaitig
Prellzungenmechanik („Wiener Mechanik“)
Das Instrument besitzt eine Signatur auf dem Vorsatzbrett:
„Jacob Pfister in Würzburg.“
Der im Jahr 1770 in Opferbaum bei Würzburg geborene Jacob Pfister hatte als Geselle die Städte Frankfurt, Mainz, Mannheim, Augsburg, München und vielleicht Dresden und Prag bereist. Für seine weitere Entwicklung war sein sechsjähriger Aufenthalt in Wien bei den bedeutenden Klaviermachern Brodmann, Rosenberger und Walter entscheidend. Im Jahr 1800 wurde er in seiner Heimatstadt Würzburg ansässig, nachdem kein Geringerer als Johann Franz Xaver Sterkel einen Flügel als „Probstück“ für gut befunden hatte. Das Instrument könne man „allen bisher bekannten Wiener Arbeiten dieser Art an die Seite stellen“.
Schon im Jahr 1801 wurde in der Presse erwähnt, dass die Mechanik seiner „Queer-Fortepiano“ vollkommen der eines Flügels entspricht. Das Instrument dürfte aus stilistischen Gründen kurz nach 1800 gebaut worden sein und ist sicher das älteste der insgesamt fünf erhaltenen Tafelklaviere.
Es wurde im Jahr 1874 durch den Orgelmacher Anton Ethöfer in Karlstadt repariert. Nach einer gewissenhaften Restaurierung wird es im Jahr 2011 erstmals wieder in Konzerten erklingen.
TAFELKLAVIER
Jean Antoine Pfeiffer
Paris, 1824
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 10
Umfang: F1 - f4
Besaitung: Durchgehend zweisaitig
2 Pedale: Links Dämpfungsaufhebung, rechts Moderator
Spezielle Stoßmechanik mit Auslösung
Das Instrument besitzt eine Signatur auf dem Vorsatzbrett:
„J. Pfeiffer, Facteur de Piano & Harpes, Breveté & Encouragé du Gouvernement 1806 & 1807. Premier Prix obtenu à L’exposition de 1823. Rue Montmartre No. 18. à Paris.“
und eine weitere Signatur mit Werknummer auf dem Resonanzboden:
„No. 747 Pfeiffer à Paris 1824“
Die Instrumente Pfeiffers sind in der Formensprache des Pariser Empire gestaltet. Das hochglänzend polierte Mahagoniholz des Gehäuses bildet einen reizvollen Kontrast zum Klaviaturraum mit seinem hellen Feld aus Riegelahorn und Zitronenholz, der zum Spielen einlädt. Die goldglänzenden Bronzebeschläge nehmen Themen der Antike auf und unterstreichen den luxuriösen Charakter dieses Instruments, das auch als Möbel in höchster handwerklicher Qualität ein wesentlicher Bestandteil eines Saloninterieurs war.
Zur Biographie Jean Antoine Pfeiffers kann nur sicher gelten, dass er 1769 in Trier geboren wurde und 1801 oder 1805 nach Paris kam, wo er vermutlich im Jahr 1838 starb.
Das Instrument befand sich seit seiner Erbauung in einem Schloss nahe Lyon.
TAFELKLAVIER
Johann Wilhelm Freudenthaler
Paris, um 1815
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 7
Eine genauere Beschreibung wird in Kürze hier erscheinen.
TAFELKLAVIER
Johann Georg Schenck
Weimar, um 1815
Sammlung Michael Günther, Schloss Homburg a.M., Inv. Nr. 12
Eine genauere Beschreibung wird in Kürze hier erscheinen.
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MUSIKALIEN DER SAMMLUNG MICHAEL GÜNTHER
Ein Verzeichnis der Musikaliensammlung mit Manuskripten und Drucken des 18. Jahrhunderts wird in Kürze hier erscheinen.
Wolfgang Amadé Mozart, Andante cantabile aus der Klaviersonate B-Dur (KV 333) in einer Abschrift des Wertheimer Kantors Johann Wilhelm Franckenstein, Wertheim um 1788
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